„His Dark Materials 4: Ans andere der Welt“ von Philip Pullman

Rezension

Fast 20 Jahre ist es nun her, dass ich „Das Bernstein Teleskop“ zugeklappt habe. Damals war ich unglaublich traurig, dass die His Dark Materials Trilogie zu ende ist und mit dem Ausgang war ich auch nicht so glücklich. Trotzdem zählt sie auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingsreihen (gleich nach Harry Potter) und ich habe sie mehrfach gelesen. Als ich hörte, dass Pullman die Reihe fortsetzt war ich natürlich begeistert! 2019 war es dann endlich soweit, erst erschien die Vorgeschichte „Über den wilden Fluss“ und 2020 schließlich die lange ersehnte Fortsetzung „Bis ans andere Ende der Welt“.

Ans andere Ende der Welt

Lyra, die Heldin aus Philip Pullmans Erfolgsserie, ist nun eine junge Studentin. Doch die Abenteuer ihrer Kindheit lassen sie nicht los. Ihr Dæmon, Pantalaimon, wird Zeuge eines brutalen Mordes, der Lyra an ihrer eigenen Vergangenheit zweifeln lässt und einen tiefen Zwist zwischen ihr und Pantalaimon auslöst. Allein macht Lyra sich auf die Suche nach einer Stadt, in der Dæmonen herumgeistern sollen, und einer Wüste, die angeblich die Wahrheit über den geheimnisvollen Staub birgt. Wird Lyra das Rätsel endlich lösen können?

© Bild und Text: Carlsen Verlag 2020

Inhaltlich bewegen wir uns in Lyras Welt, ca. 8 Jahre nach den Geschehnissen aus „Das Bernstein Teleskop“. Sie ist mittlerweile eine junge Studentin und lebt ein einigermaßen normales Leben. Wäre da nicht das Problem mit ihrem Daemon Pan. Aus irgendeinem Grund haben sich die beiden, die immer unzertrennlich waren, entfremdet. Als es zwischen ihnen eskaliert und Pan verschwindet, steht Lyra vor einer großen Reise quer durch ihre Welt, auf der wir sie begleiten. Natürlich muss sie sich vor Gefahren schützen, denn das Magisterium hat es immer noch auf sie abgesehen.

Die Handlung wird meistens aus Lyras Sicht geschildert, aber wir erhalten auch Einblicke ins Pan’s Reise, was im Magisterium so vor sich geht und auch wie es mit Malcom weitergeht, der in der Vorgeschichte „Über den wilden Fluss“ eingeführt wurde.

Diesmal ist Lyras Reise viel weniger fantastisch. Sie hat oft mit ganz weltlichen Problemen zu kämpfen, wie anderen Kulturen oder Reisen als alleinstehende Frau. Man erfährt viel mehr von ihrer Welt, als in der ursprünglichen Trilogie, bekommt Eindrücke der aktuellen politischen Unruhen und von dem Elend, das in einigen Teilen der Welt herrscht. Der mysteriöse Staub, den man schon aus den vorherigen Büchern kenn, spielt auch hier eine Rolle und ist quasi Auslöser für die Unruhen. Und Pullman wäre nicht Pullman, wenn er nicht auch philosophische Fragestellungen behandeln würde. Auch wenn mir hier zum Teil noch nicht so klar war, worauf er hier hinaus will. 

Das passt natürlich alles zu einer Fortsetzung für Erwachsene, trotzdem habe ich die alten Weggefährten sehr vermisst. Am meisten fehlt Will, ich hatte ja immer noch auf ein Wiedersehen gehofft, auch wenn es sehr unrealistisch war.

Es ist nun definitiv kein Kinderbuch mehr und man kann es auch nicht mal so nebenbei lesen, finde ich. Man muss schon aufmerksam sein, vor allem wenn es um Politik geht. Leider fand ich auch, dass das Buch einige Längen hat und mich haben nicht alle Erzählperspektiven gleichermaßen interessiert, Ein bisschen mehr Lyra oder Pan wäre mir lieber gewesen. Die Grundstimmung ist an sich recht düster und deprimierend, vor allem gegen Ende. Das übrigens einen ganz bösen Cliffhanger á la „Magisches Messer“ hat! Hoffentlich beeilt sich der Autor mit dem letzten Buch.

Hat mir das Buch nun gefallen und hat es meine Erwartungen erfüllt?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe mich auf jeden Fall sehr über das Widersehen mit Lyra gefreut und war neugierig, wie es ihr einige Jahre später so ergeht. Das Buch war trotz einiger Längen meistens spannend, so dass ich immer weiter lesen wollte. Ich möchte auch definitiv wissen, wie alles ausgeht und welches grandiose Finale Pullman sich für His Dark Materials ausgedacht hat. Was mir hier gefehlt hat, war der Zauber und die besondere Atmosphäre der Ursprünglichen Trilogie. Das ist einerseits verständlich, da Lyra nun erwachsen ist, aber auch Schade. Mir war es leider einen Tick zu unfantastisch muss ich sagen. Gewundert hat mich auch, dass die Geschehnisse aus dem „Bernstein Teleskop“ (His Dark Materials 3) so wenige Auswirkungen zu haben scheinen. Das Magisterium ist auf jeden Fall unbeeindruckt.

Das Zerwürfnis mit Pan sorgt dafür, dass Lyra eigentlich das ganze Buch über traurig ist. Generell hat sich mit beim Lesen nicht ganz erschlossen, was eigentlich das Problem der beiden war und woher die Veränderungen kamen. Das freche, wortgewandte Mädchen ist erwachsen geworden und hat sich so manche Eigenschaft leider nicht bewahren können. 

Aufgrund der eher düsteren Thematik ist es auch kein Buch geworden, das ich gerne immer wieder zur Hand nehmen möchte, sowie das bei den ersten drei Büchern der Fall ist. Ich sage es mal so: auch wenn es ein gutes Buch ist, wenn ich in Zukunft His Dark Materials lesen möchte, wird das höchst wahrscheinlich nur die 3 ursprünglichen Bücher umfassen.

Meine Bewertung:
4/5

Corinna

Mama, Fantasy Fan, Querbeetleserin, Kaffeesüchtig

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